Neeeele Weinkeller-Schlüsselverwalter Dabei seit: 16.07.2008 Beiträge: 4.640 Herkunft: Thüringen Haustiere: kein Haustier
Ich kann nicht vergeben - Rudolf Vrba
Ich kann nicht vergeben von Rudolf Vrba
gehört bei BookBeat: 12:14 Std., Sprecher: Peter Bieringer, erschienen am 04.09.18 im BUCHFUNK Verlag
als Kindle Ausgabe: 14,99 Euro, 453 Seiten, erschienen am 07.03.12 bei Schöffling & Co.
als gebundene Ausgabe: 25.- Euro, 528 Seiten, erscheint am 02.11.21 bei Schöffling & Co.
Dieses Buch ist die Autobiografie des slowakischen Juden Rudolf Vrba (Walter Rosenberg). Im März 1942 versuchte der damals erst 17jährige über Ungarn und Jugoslawien nach England zu entkommen um der Deportation zu entgehen und sich dem Widerstandskampf anzuschließen. Er wurde gefasst und zunächst ins KZ Majdanek gebracht. Ende Juni 42 wurde er dann ins KZ Auschwitz überstellt. 2 Jahre lang versuchte er in dieser Hölle zu überleben und dem Hunger, den Folterungen der SS und letztendlich dem Tod zu entgehen. Er beschreibt in diesem Buch die grausamen Zustände im Lager und dem täglichen Blick in den Tod. Am 07.April 1944 gelang ihm, gemeinsam mit einem Mithäftling, Alfred Wetzler, die Flucht aus dem Lager.
Die beiden sind allerdings nicht nur geflohen, um sich selbst zu retten, sondern sie wollten die ungarischen Juden warnen, ihnen von den Grausamkeiten erzählen und sie zum Widerstand aufzurufen. Es war zu dem Zeitpunkt ja noch nicht bekannt, dass die Deportationen in den meisten Fällen direkt in die Gaskammern führten.
Nach ihrer Flucht in der Slowakei angekommen verfassten sie den Vrba-Wetzler-Bericht und leiteten diesen über den zuständigen Judenrat in der Slowakei an die Juden in Ungarn weiter und retteten somit 100 000 Menschen das Leben. Das musste unter großer Vorsicht geschehen, denn die Slowakei war ja noch immer von den Deutschen besetzt und die Deutschen waren sehr daran interessiert, dass dieses brisante Dokument nicht öffentlich wurde. Der Bericht wurde später dann amtliches Dokument in den Nürnberger Prozessen.
Dieses Buch hat mich aus mehreren Gründen ganz tief berührt. Zum einen, weil ich einen Jungen in genau dem Alter habe wie Rudolf Vrba als er verhaftet wurde. Wenn ich mir vorstelle, wie plötzlich dieser Junge erwachsen werden musste, was er alles an Erfahrungen verpasst hat, die zum Erwachsenwerden dazu gehören und welche anderen Erfahrungen er machen musste, dann treten mir die Tränen in die Augen.
Rudolf Vrba erzählt in diesem Buch nicht nur seine Geschichte sondern stellvertretend auch die Geschichten so vieler anderer Mithäftlinge, die es leider nicht geschafft haben zu überleben. Er gibt ihnen somit eine Stimme. Der Sprecher, Peter Bieringer, setzt diese Stimmen auch großartig um.
Natürlich habe auch schon Bücher gelesen, Filme, Dokus und Bilder gesehen über die Konzentrationslager, aber dieses Buch ist mir wirklich ganz tief unter die Haut gegangen, weil es eben ein Zeitzeuge ist der die Vernichtunsmaschinerie zwei Jahre lang täglich vor Augen hatte.
Ganz ehrlich, dass jemand der das gelebt, erlebt und überlebt hat nicht vergeben kann, kann ich gut verstehen.
Ein so wichtiges Buch, das MUSS einfach gelesen werden.
Auf eine Sternebewertung möchte ich bei diesem Buch aus Hochachtung vor Rudolf Vrba verzichten.