Neeeele Weinkeller-Schlüsselverwalter Dabei seit: 16.07.2008 Beiträge: 4.640 Herkunft: Thüringen Haustiere: kein Haustier
Männer sterben bei uns nicht - Annika Reich
Männer sterben bei uns nicht von Annika Reich
als gebundenes Buch: 23.- Euro, 208 Seiten, erschienen am 20.02.23 bei Hanser Berlin
als Kindle Ausgabe: 16,99 Euro, 209 Seiten, erschienen am 20.02.23 bei Hanser Berlin
Ich habe dieses Buch als digitales Leseexemplar vom Hanser Verlag erhalten und bedanke mich recht herzlich beim Verlag und bei Netgalley.
In diesem Buch erzählt Luise die Geschichte ihrer Familie, einer Familie von Frauen. Es geht dabei um acht Frauen, die mehr oder weniger zur Familie gehören, sich ihr aber nicht unbedingt zugehörig fühlen.
Allen voran ist da die Großmutter. Da es in dieser Familie keine Mänmner mehr gibt, steht sie als Matriarchin der Familie vor. Sie bewohnt das Haupthaus eines großen Anwesens auf dem noch vier weitere Häuser stehen. In einem der Häuser wohnt die Schwiegertochter Ingrid mit ihrer Tochter Luise. Früher wohnte dort auch die ältere Tochter Leni aber sie wurde auf ein Internat geschickt, weil sie den Anforderungen der Großmutter nicht genügte. In einem weiteren Haus wohnt die Mutter von Ingrid, Großmutter Vera. Diese hat die Großmutter aus Großherzigkeit zu sich aufs Anwesen geholt, denn in den Augen Aller kommt Großmutter Vera nicht allein zurecht. Im vierten Haus wohnt Großmutters Tochter Marianna mit ihrer Tochter Olga. Das fünfte Haus steht leer und verschlossen und niemand, außer der Großmutter selber, wagt es zu betreten. Und dann ist da noch Jystina die als gute Perle indirekt zur Familie gehört und über der Garage wohnt.
In Rückblenden erzählt Luise die Geschichte ihrer Familie, die mehr oder weniger die Geschichte ihrer Großmutter und des Anwesens ist. Sie erzählt von ihrer Kindheit und davon, wie ihre Großmutter immer alle Fäden in der Hand hatte. Sie war immer eine Respektperson und hat einen Anspruch ans Leben, den sie niemals in Abrede stellt. Sie wahrt immer den Schein nach außen und erwartet das auch von allen anderen Familienmitgliedern. Wer diese Erwartung nicht erfüllt, wird von der Großmutter gnadenlos aussortiert. Zwar gibt sich die Großmutter großherzig und großzügig aber einzig um die Menschen von sich abhängig zu machen und sich selbst dadurch zu erhöhen. Sie ist aber auch auf der Suche nach einer würdigen Nachfolgerin für sich und das Anwesen. Alle Frauen sind in ihren Augen enttäuschend, bis auf Luise. Diese versucht sie durch Geschenke und Liebe als Nachfolgerin zu installieren. Die Anderen wissen, dass sie nicht genügen und Luise alles erben wird. Sie schaffen es aber nicht, sich dem Dunstkreis der Großmutter zu entziehen. Luise weiß das auch, merkt aber erst später, welche Verantwortung da auf ihren Schultern lastet und dass sie nicht bereit ist, wie ihre Großmutter zu leben. Als die Großmutter stirbt, müssen alle Frauen Stellung beziehen.
Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist eine Geschichte, die nah am Leben ist und genau so schon oft vorgekommen ist und noch vorkommen wird.
Ein bisschen vermisst habe ich allerdings noch so ein kleines Familiengeheimnis welches aufgedeckt wird. Es bahnt sich die ganze Zeit so eine anschwellende Anspannung an, die am Ende aber nicht bedient wird. Männer kommen ja im Buch nur indirekt vor und so hätte ich mir eine Erklärung gewünscht, warum die Männer nicht auf dem Anwesen gelebt haben. Auch war mir manchmal nicht ganz klar, warum sich alle Frauen so auf die Großmutter eingelassen haben. Selbst Leni, die eine ganz andere Vorstellung vom Leben hat, wurde weggeschickt und ging nicht von allein. Auch der Part von Großmutter Vera hat sich mir nicht ganz erschlossen.
Die Beschreibung der Großmutter fand ich Klasse. Sie war für mich die tiefste Protagonistin. Ihr und ihren Beweggründen konnte ich gut folgen, auch wenn es nicht immer die edelsten Beweggründe waren. Ich hatte die ganze Zeit das Bild von Violet Crawley aus "Downton Abbey" vor meinem geistigen Auge. Alle anderen Protagonistinnen blieben mir etwas zu flach, selbst Luise.
Ein sehr gutes und lesenswertes Buch, auch wenn mir noch irgendetwas fehlte.