Neeeele Weinkeller-Schlüsselverwalter Dabei seit: 16.07.2008 Beiträge: 4.640 Herkunft: Thüringen Haustiere: kein Haustier
Mistral - Maria Borrély
Mistra von Maria Borrély
als gebundenes Buch: 20.- Euro, 128 Seiten, erschienen am 15.03.23 im Kanon Verlag Berlin
als Kindle Ausgabe: 16,99 Euro, 139 Seiten, erschienen am 15.03.23 im Kanon Verlag Berlin
Ich habe dieses Buch als digitales Leseexemplar vom Kanon Verlag zur Verfügung gestellt bekommen und bedanke mich recht herzlich beim Verlag und bei Netgalley.
Maria Borrély wurde 1890 in Marseille geboren. Dieser Roman entstand als erster von vier Romanen und wurde 1930 veröffentlicht.
Dieses Buch beschreibt das Zusammenleben in einem kleinen französischen Dorf, die Arbeit, die täglich anfällt und das einfache bäuerliche Leben. Mittendrin ist Marie, ein hübsches junges Mädchen. Ein Junge aus dem Dorf schaut sich die Augen nach ihr aus und würde Marie gern heiraten, doch Marie hat eines Tages eine folgenschwere Begegnung mit Olivier, dem Knecht aus der Ölmühle. Sie verliebt sich in ihn und er gibt auch anfangs den aufsteigenden Gefühlen nach. Doch er weiß ganz genau, dass aus Marie und ihm nichts werden kann und so zieht er sich schnell wieder zurück. Warum das so ist und wie Marie damit umgeht ist die Geschichte die in diesem Buch erzählt wird und deshalb überlasse ich es euch, diese selbst zu entdecken.
Maria Borrély hat sehr ausdrucksstark beschrieben in welcher Umgebung der Roman spielt. Die Beschreibungen der Gegend, der Menschen und der Lebensweise ist unheimlich bildgewaltig, manchmal fast erschlagend. Man hat dadurch aber alles so real vor dem geistigen Auge, dass man sich das Leben im Dorf in allen Einzelheiten sehr gut vorstellebn kann. Wir spüren den Wind in den Haaren, die Sonne und auch den Regen förmlich auf der Haut.
Ich war sehr erstaunt in diesem Buch bereits etwas vom anstehenden Klimawandel zu lesen und darüber, dass der Mensch die Schuld darüber bei sich zu suchen hat. Ich meine, heute ist es uns allen klar, aber auch damals und auf den einfachen Dörfern war es bei den Menschen schon ein Thema. Das hatte ich so nicht erwartet.
Die Menschen sind zwar zufrieden mit ihrem relativ kargen Leben und fügen sich in ihre tägliche Arbeit und ihre Pflichten, aber diese Verpflichtung steht eben auch oft zwischen ihren Sehnsüchten und Wünschen und der Wirklichkeit. Sie können nicht immer danach gehen was sie glücklich macht sondern müssen darauf achten, dass sie immer in der Lage sind ihren Familien ein Auskommen zu schaffen. Gerade die Sehnsüchte der jungen Menschen blieben dabei oft auf der Strecke.
Sehr beeindruckt hat mich auch, wie feinfühlig und liebevoll die Mutter die Gefühle ihrer Tochter erspürt und damit umgeht. Das hatte ich nicht erwartet in der Zeit in der der Roman spielt. Auch gerade, weil hier im Buch unterschwellig auch die Stellung der Frau in der dörflichen Gemeinschaft eine Rolle spielt und die wird alles andere als feinfühlig und liebevoll dargestellt. Das zeigt sich besonders daran, wie man von den Frauen spricht, die sich eben nicht mehr so verhalten wie es der Stellung der Frau entspricht.
Das Buch hat eine Sprache an die man sich, zugegebener Maßen, erst gewöhnen muss, aber es durchaus gut kann. Sie ist sehr beschreibend und fast poetisch, aber trotzdem spiegelt sie sehr gut das bäuerliche Leben wider und erzählt die Geschichte von Marie und Olivier sehr lebendig und bewegend.
Im Nachwort von Amelie Thoma, der Übersetzerin von "Mistral", erfahren wir auch noch unheimlich viel über Maria Borrélys Leben und ihre schriftstellerische Laufbahn.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, vorallem auch, weil in dem doch recht kurz gehaltenem Roman so unheimlich viel verpackt wurde. Und es ist ja eher auch keine klassische Liebesgeschichte, eigendlich gar keine Liebesgeschichte. Ich empfehle das Buch gern weiter und vergebe